Wie wir sterben

Auf alten Friedhöfen wachsen Assoziationen wie Moos.
Alte Gräber sind wie Narben, die Geschichten erzählen
und fügen sich so natürlich in die Landschaft.
Ich bin ziemlich sicher,
dass fast unlesbare Namenszüge alles sind,
was irgendwann einmal bleibt.
Aus dem Nichts zu kommen und dorthin zurückzugehen,
scheint mir ein ziemlich fairer Deal zu sein.
Zumindest möchte ich mir das einreden,
dass ich keine Furcht habe tot zu sein.
Aber der Weg dorthin macht mir höllisch Angst.
Der Gedanke an die Angst macht mir Angst.
Und ich gehe sehr sparsam mit meinem Glauben um,
Aber ich bin überzeugt, dass Stolz
keine effektive Rüstung ist,
sondern ein fragiler Film, der alles zulässt, außer Nähe,
der den Raum zwischen Fingerspitzen und fremder Haut
in Lichtjahre verwandelt
Und uns die Menschlichkeit raubt, aber nicht den Schmerz.
Dass Verletzlichkeit, das Unabwendbare nicht verhindert,
Aber sie notwendig ist, um wahrhaftig zu erleben,
um die Membran der Zweifel, der Weltanschauungen
und Ängste zwischen dem Ich und der Welt,
so weit auszudünnen, dass man einmal die Umrisse
der Wahrheit spürt, ehe man selbst
in der Landschaft verloren geht.
Was ich manchmal aufbringen kann,
ist Vertrauen, dass Existieren eine gute Sache ist:
Ob wir nun gelassen in die gute Nacht gehen,
Oder wie Supernoven das sterbende Licht verfluchen.

Kerim Mallée

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