Wenn wir von Stille sprechen

Wenn wir von Stille sprechen,
ist das nicht mehr als ein Annäherungsversuch:
Völlige Stille ist etwas,
das nach dem Bewusstsein kommt.
Wir tragen unseren eigenen Klang in uns,
Weshalb das letzte Geräusch
in unserer Nähe erst mit uns erlischt.
Je leiser die Welt wird, desto lauter
wird das Flüstern des Körpers:
Der Puls, das Rauschen des Blutes
und wie sich die Brust mit jedem Atemzug
hebt und senkt.
Stille in der Welt
ist wie der Lichtkegel eines Scheinwerfers,
der auf das an uns gerichtet ist,
was am verletzlichsten und zerbrechlichsten ist.
Gemeinsam die Stille zu suchen,
heißt die Maske aus Lärm ablegen
und der Verletzlichkeit den Raum zu lassen,
so deutlich zu sprechen,
dass man sie auch in der letzten Reihe
unmissverständlich versteht.
Mit Worten schweigen, aber mit allen Sinnen sprechen:
Haut zu schmecken, zu riechen,
sie über dem Puls beben zu sehen,
Und mit den Fingerspitzen einem anderen Herzschlag
als dem eigenen zu lauschen.

Kerim Mallée

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