The Mother of Tears, 2007 – ★★

Regie: Dario Argento

Der Abschluss von Argentos Mütter-Trilogie kam spät und war zu schwach. Man könnte den Film fast für eine Fernsehproduktion halten, wäre er nicht so blutig.
Die schauspielerischen Leistungen, die immer eine Schwäche der ersten beiden Filme waren, sind hier tatsächlich ein bisschen besser. Aber dafür fehlt fast alles, was bei den Vorgängern diese Schwäche mehr als wett gemacht hätte.
Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Bei Bauarbeiten wird die Urne einer Hexe (die namensgebende Mutter der Tränen) ausgegraben. Ein Priester schickt diese an ein Museum in Rom und weil sich eine studentische Hilfskraft dort beim Öffnen der Urne in den Finger schneidet, wird besagte Hexe zu neuem Leben erweckt. In Rom und Umgebung kommt es zu einer Welle der Gewalt, Menschen bringen sich gegenseitig auf offener Straße um, in einer drastischen Szene, holt eine Mutter ihr neugeborenes aus dem Kinderwagen und schmeißt es von einer Brücke. Begründet wird das damit, dass ein von Udo Kier gespielter Kirchenhistoriker die Legende der drei Hexen erzählt, die immer da wo sie vorbeikamen "eine Welle des Chaos und der Zerstörung" hinterließen. Seltsam nur, dass diese virale Mordlust in den Vorgänger-Filmen nie thematisiert wurde und die Hexen dort immer im Stillen agierten.

Die Szenen des Films sind langweilig und monoton ausgeleuchtet und der Film ist eher grau als bunt. Statt dem charakteristischen Goblin Prog-Rock-Soundtrack, hat man irgendein Filmorchester ein paar Melodien einspielen lassen, die nicht im Gedächtnis bleiben und nada innovativ sind. Den extra für den Film geschriebenen (niemand schreit in Refrain seines Songs immer wieder “Mother of Tears”, außer er wird dafür angeheuert) Metal-Core-Song behält man im Gedächtnis, aber eher wegen dem Cringe-Faktor, oder weil man das DVD-Menü nicht auf lautlos gestellt hat, während man sich vor dem Film etwas zu Essen macht.
Argentos so bezaubernder visueller Stil, ist CGI gewichen, das natürlich nur an den Stellen eingesetzt wurde, bei denen man es wirklich nicht gebraucht hätte und eine der wirklich guten Szenen in dem Film wurde so komplett ruiniert: Als Protagonistin Sarah (Asia Argento) abends in ihre Wohnung zurückkehrt, schaltet sie im Treppenhaus das Licht an. Dieser Lichtschalter ist eine ziemlich raffinierte Konstruktion, Sarah zieht ihn auf wie eine Küchenuhr und der Schalter dreht sich langsam zurück nach links. Das ist ein gut gemachter Setup für eine Spannungsszene. Als Zuschauer weiß man, dass das Treppenhaus wieder in Dunkelheit versinkt, wenn sich Sarah zu viel Zeit lässt und rechnet damit. Viele andere Filmemacher hätten wahrscheinlich einfach irgendwann das Licht ausgehen lassen. Sarah wird von einem Geräusch abgelenkt und ist erst halb die Treppe hoch, als dies dann auch wie erwartet passiert. Doch statt einen billigen Jumpscare einzusetzen, macht Argento etwas anderes: Im Dunkeln sieht Sarah plötzlich Licht unter ihrem Türspalt, das sie sonst übersehen hätte und weiß, dass jemand oder etwas in ihrer Wohnung ist, dreht sich um und eilt davon. Dieses Verkehren üblicher Assoziationen (Licht = Sicherheit und Schatten = Bedrohung), das ist handwerklich wirklich top. Aber dann kommt man auf die Idee, diese eine ikonische Szene aus “Nightmare on Elmstreet” zu imitieren und eine menschliche Silhouette drückt sich durch die Tür, deren hartes Material plötzlich elastisch wird und sich nach außen dehnt wie Stoff. Nur, dass man für diese Szene eine Animation, die auch einem Playstation 2 Spiel hätte entstammen können, genommen hat, statt einfach ein echtes Textil zu verwenden, oder sich diesen Unsinn zu schenken, denn es war ja eh bereits klar, das etwas Unheimliches in der Wohnung lauert. Dieser Film ist ein bisschen wie der Kater nach einem großartigen Abend: Man hat Kopfschmerzen, fühlt sich echt alt, vieles ergibt keinen Sinn, aber man kann sich damit arrangieren und romantisiert die Vergangenheit.

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