Saurierleichen

Wieder ist man älter
Und mit einem, alle anderen auch.
Auf den Parkplätzen liegen ausgebrannte Autos,
Wie die auf dem Weg zum Wasserloch verendeten Saurier,
Ehe sie Erdöl und dann Tankfüllung wurden.
In der Neujahrsnacht war der Himmel am hellsten
Und Funken regneten auf die Häuserdächer,
Wie körperlose Geister, die Spaceshuttle-Teilen entfliehen.
Müde starrst du in die sternlose Nacht in deiner Kaffeetasse
Und eine Weile lang
Denkst du an gar nichts,
Dann denkst du an den Frieden,
Den Erschöpfung offenbart,
Den zauberhaften Zustand aus Müdigkeit und Stille und
Dem Bewusstsein an der Grenze zum Traum,
Wenn du dir gerade nicht den Kopf darüber zerbrichst,
Wo du hin musst,
Wieso und ob überhaupt.
Garnrollen kullern über den Boden,
Aber es ist nicht dein Job, die verlorenen
Fäden wieder aufzuwickeln.
Jetzt gerade nicht. Das hast du dir verdient.
Heroisch hast du gezeigt,
Dass du zwar gealtert bist, aber
Nicht so schnell, wie du dachtest.
Mitten in der Nacht hat diese Gelassenheit eingesetzt, die
Jetzt immer noch nachwirkt.
Mit verschwitzten Händen und großen Augen,
An Schornsteine geklammert, das Feuerwerk betrachtend,
Bist du selbst dem Ausbrennen noch einmal entgangen.
Du kochst noch mehr Kaffee,
Wie für lange Autofahrten und verschluckst ein Gähnen.
Egal wie weit man in seinen Träumen geht,
Nach dem Aufwachen hat man mehr Sand in den Augenwinkeln,
Als in seinen Schuhen und du hast noch etwas Weg vor dir.
Es ist erstaunlich, wie viel man in einer einzigen Nacht lernen kann:
— Dass du viele Lieder,
auch nach Jahren immer noch auswendig kannst.
— Dass auch dein steilster Weg kein unbezwingbarer Everest ist,
Wenn du nur kontinuierlich einen Fuß vor den anderen setzt.
— Dass man irgendwo hinter den Marmorstädten, immer noch
Zigeunerlieder kennt.
— Dass es nie zu spät ist, einen alten Freund anzurufen und du
Immer noch nicht vergessen hast, was Glück für dich bedeutet.
Du bist bereit loszugehen,
Vorbei an den Saurierkadavern und Spaceshuttle-Wrackteilen,
Und du wischst das letzte Jahr und alte Zweifel hinfort,
Wie Aschekrümel aus ansonsten leeren Akten.

Kerim Mallée

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