Neues Gedicht: Nach dem Erdrutsch

Nach dem Erdrutsch

Die Straße vor uns
erstreckt sich über den ganzen Horizont und der Rhythmus
der Musik ist ein Fließband für die Wahrheit.
Paradox ist,
dass wir uns immer zu lange vor und um unsere Ängste fürchten:
Davor, dass sie wahr sind und vorm Gegenteil.
Wir stehen an der Klippe, über einer ausgebrannten Stadt
und die Schatten aus unseren Träumen, folgen uns in den Alltag,
wie die Wurzeln der Bäume nach einem Erdrutsch
durch den Boden brechen.
Unausgegorene Ideen, die sich an den nächsten
Morgen klammern und an das Licht
der immer kürzer werdenden Herbsttage.
Ich bin der Fieberträume und Nachtmahre überdrüssig,
es leid sie zu deuten.
Lass sie flackern und erlöschen,
wie die Flammen abgebrannter Kerzenstummel,
wenn das Wachs zuneige geht.
Lass uns den Koffer unterm Sitz verstauen
und das Lächeln der Nacht erwidern,
die so schwarz und freundlich glänzt.
Lass uns vier Wochen ans Ende der Welt
fahren und unsere Sprache vergessen
und wiederfinden.
Lass uns den Winter überspringen,
weil deine Haut nach Frühling riecht.

Kerim Mallée

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