Nähe im Innern, Abstand in der Welt.

Die Welt schrumpft mit einem Mal
Und fühlt sich riesig an.
Riesig wie die Verantwortung die man trägt,
Winzig wie der Teil den man als einzelner beiträgt.
Es geht gerade nicht allein,
Deshalb müssen alle allein sein.
Distanz voneinander nehmen,
Um enger zusammenzurücken.
Nähe im Innern,
Abstand in der Welt.
Ich sitze hier drinnen, die Stadt da draußen.
Der Tag ist schön und verlockend, hat alles,
was ich mir vom Frühling wünsche.
Die Welt geht am Krückstock,
doch ich bin mir zu 90 Prozent sicher,
Dass in meiner kleinen privilegierten Blase,
Bald alles wieder ist wie beim alten.
Und ich bin zwiegespalten,
ich sehe immer noch den Egoismus und die Niedertracht.
Aber dazwischen gibt es immer wieder einige Momente,
die mich glücklich stimmen.
Mehr denn je merke ich,
wie wenig sich die Welt in einfachen Worten begreifen
lässt
und in den eigenen vier Wänden zu bleiben,
Wenn man das Gefühl hat, sie kommen näher,
ist hart aber notwendig.
Also mache ich das, was ich immer mache,
genau jetzt sollte man Gedichte schreiben.
Die leerstehenden Geisterhäuser in der Stadt
sind gerade alle bewohnt,
vielleicht fühlt sich mein Kopf deshalb so,
als würde es darin spuken.
Ich hoffe,
dass ein paar Menschen anfangen,
die Werke zu schaffen,
Die sie schon länger mit sich herumtragen
hinauszulassen,
um etwas Gutes in die Welt zu bringen.
Es war noch nie so leicht, danke zu sagen,
wie in Zeiten in denen die Erde Kopf steht.
Aber ich hoffe,
dass auf Worte irgendwann Taten folgen
und nicht nur hohler,
leerer Dank.
Ich hoffe, dass ich das kann,
wenn es darauf ankommt.
Ich merke gerade mein Menschsein.
Meine Schwächen, meine Stärken,
Meinen Egoismus und meine Scham ob des selbigen.
Und so absurd es klingt,
Ich habe mich noch nie so sehr als Teil einer Menschheit gefühlt,
Wie jetzt allein in meinen vier Wänden.
Nähe im Innern.
Abstand in der Welt.

Kerim Mallée

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