Morgen ist auch noch ein Tag

Manchmal hast du Fragen, die du
dir erst nach Jahren beantworten kannst,
dafür dann umso leichter.
Viele der falschen Entscheidungen sind Puzzleteile
einer Landkarte deines Lebens,
die später ihren Platz finden.
Es gibt nur wenige Dinge, die wir wirklich brauchen:
Wir müssen essen, trinken, schlafen
und brauchen menschliche Nähe.
Nicht wenn wir uns diese Dinge vermeintlich verdient
haben, sondern wenn wir sie nötig haben.
Alles andere ist unter der Würde,
eines jeden Menschen.
In den Momenten, in denen die Ratlosigkeit am größten ist,
du verloren durch die Städte irrst und
deine Blessuren sich verfärben wie der Tag,
wenn er zum Abend wird,
du gleichzeitig allein sein willst und dass
die Einsamkeit ein Ende hat,
du fast schon katatonisch wirst...
wo Landschaften verschwinden,
bleibt das vom Selbst, was wirklich zählt.
Keine Mythen,
keine Legenden falscher Heldentaten,
denn dass du immer noch da bist, ist die größte
aller Heldentaten, nachdem du so oft das
Handtuch hättest werfen können.
Dann begreifst du deine wahre Stärke
und dieses Glück ist wie ein Diamant,
den nichts zerkratzen kann:
Nicht der schmutzige U-Bahn-Waggon am
Ende eines Tages, an dem alle Pläne schiefgingen,
nicht die Ratten im Gleisbett,
das nach Staub, Zement und Pisse stinkt
und auch nicht das Gedränge der Menschen, das
dich eben noch fast klaustrophobisch stimmte.
Der Kontrollverlust ist nicht immer unausweichlich und du
kommst nicht drumherum, dass dir die Verzweiflung
in die Knie schießt und Schwindelgefühle in den Kopf,
während dein Körper nicht weiß, ob ihm heiß ist oder kalt.
Aber du hast diese unglaubliche Kraft,
diesen beeindruckenden Vorrat lebendigen Willens,
der so leicht zu wecken ist,
durch eine freundliche Berührung,
ein Lächeln, Dinge,
die Spuren hinterlassen, wie Efeu auf der Haut,
wie ein einzelner Finger und das Meer,
das sich in dir teilt, wenn er den Sand trifft.
Gib nicht zu früh auf,
Denn danach ist man immer schlauer
denn jedes Danach, bis auf das letzte, ist ein weiteres Davor,
aus dem man wieder lernen kann.
Es ist das Schwerste und das Schönste, dass du
erst ganz am Ende weißt, wer du warst.
Und, weil so vieles aus den eigenen Fehlern entspringt,
warum nicht auch Hoffnung?
Kerim Mallée

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