Mehr als Phantomschmerz

Auf einmal steht das Abreisedatum fest.
Ebenfalls deutlich ist,
Dass Vermissen bereits vorher beginnt,
Während ich noch hier bin.
Konkreter: Die Angst,
Dass an all den Orten,
Die man nicht vergessen kann,
Erinnerungen, die dort im Gegenzug
Verbleiben, so leicht sind,
Dass sie verfliegen, ehe
Die Zugvögel nach dem Winter zurückkehren.
Gedanken, die bis jetzt leise waren,
Wie ein Zwicken, das verstummt, wenn man
Sich nicht den Kopf darüber zerbricht.
Aber eben trotzdem da ist,
Wie ein Widerspruch zwischen dem,
Was man braucht und dem was man will.
Wenn das Schließen von Wunden Schmerz
Verursacht, weil Haut auch eine Grenze ist
Und südlich der Grenze ein vages Fragment
von einem selbst Begraben ist.
Orte sind nur Orte,
Die selbst den Schmerz des Abschieds nicht
Spüren und ehe man sich versieht,
Ändert das Wort “Heimat” seine Bedeutung.
Man kann nicht viel tun,
Außer Unsicherheit mit Hoffnung im Zaum halten,
Dass hinter dem Schlussstrich mehr bleibt
Als Phantomschmerz,
Dass man kein kompletter Tor ist,
Sein Herz offenzuhalten,
Auch wenn man bereits
mit einem Fuß zur Tür raus ist.
Hoffnung,
Auf die Gnade, dass der Teil von einem,
Der bei diesem Abschied stirbt,
An jenem Ort, auch weiterhin zu Hause ist.

Kerim Mallée

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