Lavendel

Die Lampions an den Café-Terrassen sind noch Stunden vom Glühen entfernt.
Der Efeu an den Mauern ist so unscheinbar, ganz anders als die Zigarette,
die jemand beim Spazieren hält und deren Geruch, zumindest im Vorübergehen,
den Sinnen nicht entflieht.
Die Parkbänke an der Promenade laden zum Sitzen ein,
denn Füße schmerzen von den vielen Schritten eines Tages,
der noch nicht einmal zur Hälfte rum ist.
Der Regenmantel im Rucksack,
weil das Wetter diese Woche launisch ist.
Die Hieroglyphen, die meine Füße anderswo im nassen Sand hinterlassen haben,
sind jetzt schon wieder trocken und verschwunden.
Der Moment fühlt sich ewig an, doch in Wirklichkeit hat nichts Bestand.
Lieber zeige ich meine Einsamkeit, als dass der Schmerz unentdeckt verglüht.
Lieber trete ich aus der Stille, als von ihr übertönt zu werden.
Lieber ertrage ich die bohrenden Blicke, als durch blinde Straßen zu wandern.
Die Geräusche fahrender Autos ziehen vorüber,
nicht laut genug um die Stimmen der Menschen zu übertönen,
nicht so laut wie das raschelnde Laub in den Baumkronen.
Und der Motorengeruch scheitert daran,
die Mauer aus Düften nach gemähtem Gras und
Lavendel zu überwinden.
Auf den trockenen Lippen schmecke ich Sonnencreme,
die unbemerkt dorthin gelangt ist.
Auf der Wiese lacht ein Mensch im bunten Sommerkleid,
Farbpunkte, die im Licht tanzen.
Verkrampfte Muskeln, die sich lösen und Atem der zur Ruhe kommt.
Der Moment ist so schön, es ist ein Wunder,
dass die Welt daran nicht zerbricht.

Kerim Mallée

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