Jurassic World: Fallen Kingdom, 2018 – ★★½

Regie: J.A. Bayona

Der erste Jurassic Park von 1993 war bisher nicht mit guten Fortsetzungen gesegnet. Vielleicht hat man es anders in Erinnerung, aber bereits bei Teil 2 kam es zu massiven Qualitätseinbußen und der dritte Teil, war eine einzige Katastrophe. Deswegen eins vorweg: Ich halte Jurassic Wold - Fallen Kingdom für die bisher beste Fortsetzung von Stephen Spielbergs Original. Er recycelt die Prämisse der ursprünglichen Fortsetzung Die vergessene Welt, setzt diese aber wesentlich besser um. Zusammenfassend: Auf der Insel, auf der die geklonten Saurier aus dem ersten Jurassic-World-Film leben, droht ein Vulkan auszubrechen, deswegen wird ein Team aus Söldnern und “Experten” (damit man einen Grund hat Chris Pratt wieder aufs Filmplakat zu drucken) dorthin geschickt, um so viele der Tiere wie möglich zu retten. Doch natürlich stecken hinter dieser Rettungsaktion rein wirtschaftliche Interessen und die Söldner fallen unseren Protagonisten in den Rücken (soweit die Ähnlichkeiten zu Die vergessene Welt). Was diesen Teil so viel besser macht, als die anderen Fortsetzungen ist, dass die letzten zwei Drittel nachts in einem alten Herrenhaus spielen, in dem eine Auktion der Echsen stattfindet, die sich (vorerst) in Zellen im Keller des Anwesens befinden. Durch das räumliche Begrenzen des Settings, kommt eine Atmosphäre zustande, die eher an das erste Resident-Evil-Spiel erinnert, als an den ersten Teil von Jurassic World. Dieses Setting kommt auch (fast) ohne genmanipulierte Super-Saurier aus, die so riesig sind wie drei Hochhäuser (was eine der größten Schwächen des Vorgängers war). Das größte Sauriermodell in diesem Film ist der handelsübliche T-Rex und davon gibt es auch nur einen.

Ganz kurz fühlte ich mich an den Film Das Relikt: Museum der Angst (1997 Peter Hyams) erinnert, denn im Erdgeschoss des Anwesens befinden sich Ausstellungsräume, deren unheimliche Atmosphäre genug Gelegenheit für den ein oder anderen Jumpscare geboten hätte. Doch leider will der Film nicht mehr als eine kleine Zehe, in das erfrischende Wasser des Horror-Genres eintauchen, auch hätte das kreative Setting seine atmosphärische Wirkung besser entfalten können, wenn einem die Figuren in Lebensgefahr mehr am Herzen liegen würden. Die größte emotionale Verbundenheit verspürt man als Zuschauer wohl zu dem Velociraptor Blue, aber auch nur, weil dieser die interessanteste Neuerung des Vorgängers war. Hätte man den Antagonisten ein menschlicheres Motiv, als reine Raffgier gegeben (Russischer Waffenhändler als einzige Charakter-Eigenschaft ist ein bisschen schwach), der Zuschauer würde nicht total distanziert dasitzen, während diese offscreen zerfleischt werden. Leider erinnert nicht nur die Atmosphäre an einige alte Videospiele, die Nebenfiguren sind ähnlich zweidimensional, wie die charakterlosen Bots, die einem in solchen Spielen vor die Flinte laufen. Das ist sehr erstaunlich, da die Nebenfiguren doch sehr gut besetzt sind (James Cromwell, Toby Jones, Ted Levine, Geraldine Chaplin...). Dennoch ist Jurassic World: Fallen Kingdom einen Blick wert, da er nicht alle Fehler des Vorgängers begeht und vergleichsweise wenig neue, die allesamt stark nach Studio-Einmischung riechen.

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