Im Schreibwarenladen

Glücklich war ich,
als die Schreibwarenläden wieder öffneten.
Leere Seiten sind gnädige Freunde,
die auch den verstricktesten Gedankengängen lauschen.
Sie bieten den Raum, für einige Ideen
zur Seite zu treten,
damit andere deutlicher werden.
Den Frieden,
alle Stimmen meiner Unruhe früher
oder später zu Wort kommen zu lassen.
Weiße Seiten sind eine Verfassung
für die Anarchie meiner Gedanken.
Zwischen den leeren Notizbüchern,
der unvergossenen Tinte
und den eingeschweißten Karteikarten,
fühle ich mich daran erinnert,
dass die Welt noch voll ist
an Ideen, die es zu erkunden gilt.
Ich erinnere mich nur schwer an die Person,
die ich war, ehe ich lesen und schreiben konnte.
Mit Ausnahmen: Ich erinnere mich an frühere Faszinationen.
Die irgendwann im Sande verliefen.
Ich erinnere mich deutlich,
wie die krakelige Schrift feiner wurde,
wie sie immer noch krakelig ist,
aber meine Hand beim Zeichnen
der Buchstaben Sicherheit gewann,
so, dass große Gedanken auf kleine Seiten passten.
Ich betrete keinen Schreibwarenladen,
ich betrete eine Schatzkammer voller Möglichkeiten.
Die dem verlorenen Bernstein-Zimmer in nichts nachsteht.
In jeder Tintenpatrone, in jeder Bleistift-Spitze und Füll-Feder,
ein kleines bisschen Ewigkeit.
Ein Kosmos voller Wunder,
Sternennebel und schwarze Löcher,
in denen meine Aufmerksamkeit verschwindet und
wo sich mein Gefühl für Zeit verliert.
Aber wo auch alles Notwendige vorhanden ist,
diese Welten sicher zu erkunden.

Kerim Mallée

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