Hinter verschlossenen Türen

Die Märchen die,
die Henker dieser Stadt ihren Kindern
vor dem Schlafen vorlesen,
Sind die gleichen wie die von allen Eltern.
Die von glücklichen Ehen und absoluter Autorität.
Die, dass Eltern irgendetwas anderes wären,
Als fehlbare, sterbliche, gewöhnliche Menschen,
Die am Ende selbst vorm Henker stehen.
Dass du dein Glück schon in den Händen hältst,
Wenn du nur hart genug daran arbeitest.
Dass wir in einer Welt lebten,
In der wir alle gleich sind.
Glückliche Familien sind alle gleich.
Aber hinter verschlossenen Türen
Ist dieses Glück ein fragiles Gut.
Und dennoch gibt es so etwas wie vollkommene Tage.
Ich denke an die Möglichkeiten.
Ich denke an die Welt da draußen:
An Fledermäuse, die sich an Kakteen hängen,
wie Vorhänge an die Fenster in unserem Schlafzimmer.
Mein Lächeln gilt dem nächsten Tag.
Auch wenn es Tage, Wochen dauert.
Selbst heiße Wüstenluft ist frisch,
Wenn sie beim Steigen nicht an Zimmerdecken stößt.

Kerim Mallée

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