Heimkehr und Abschied

Obwohl noch nicht alle Fragen geklärt sind,
Lenke ich meine Schritte heimwärts,
denn der Abend wird kühl.
Die Dunkelheit blüht bereits in vielen Farben,
Die alle zu einem Schwarz reifen werden,
Das sich über den ganzen Himmel spannt.
Eigentlich kehrt man ständig heim:
Weniger als Abschluss einer wirklichen Reise,
Sondern viel öfter in Form eines Gedanken,
Der einem so vertraut vorkommt,
Als wäre er einem auf einem kreisrunden Weg,
Aus der anderen Richtung entgegengekommen.
Oder in den Worten eines anderen Menschen,
In denen man die eigene Wertschätzung gespiegelt sieht.
Oft ist Abschied selbst eine Heimkehr.
So spät im Jahr hat die Luft schon einen großen
Teil ihrer Gerüche verloren,
Aber Stift und Notizbuch in meiner Jackentasche wissen,
Dass es noch nicht so kalt ist, dass man Handschuhe braucht,
Auch, wenn sich die Finger ein bisschen taub anfühlen.
Und während ich die Haustüre aufschließe,
Mir warme Luft, die noch Gerüche trägt, entgegenkommt,
Denke ich, dass man erst wirklich erwachsen ist,
Wenn man versteht,
dass die Welt nicht auseinander bricht,
Nur, weil man selbst sie nicht krampfhaft zusammenhält.
Falls ja, werde ich es dann wissen.

Kerim Mallée

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