Gedicht: Spiegelbilder

Spiegelbilder

Wie oft spürt man die Pistole auf der Brust

und den eigenen Finger am Abzug.

Dennoch kreiert man imaginäre Schurken -

wie die Autoren der Pulp Fiction-Hefte,

die in den Tabak-Trafiken und den

Zeitschriftenregalen der Supermärkte ausliegen -

und spricht ihnen das Monopol am eigenen Angstschweiß zu,

wenn das kühle Klima der Albtraum-Landschaften

beim Erwachen auf der Haut kondensiert.

Man sieht das eigene Spiegelbild immer mit etwas Abscheu an,

weil man fast alle seine Geheimnisse kennt.

Doch jeder Mensch hat ein Spiegelbild,

mit dem er Geheimnisse teilt,

die sonst nur die Katzen kennen, die gelangweilt auf den

Giebeln der Dächer schnurren und in erleuchtete Fenster starren.

Der Rauch geschredderter Akten, steigt im Hintergrund durch Schornsteine

und färbt die Unterseiten der Wolken grau,

mit den Lügen einer ganzen Stadt.

In der Asche sucht man nach den Bildern,

die einen vergangenen Sommer so zeigen,

wie man ihn erinnert und vergisst,

dass Fotografien kein Gedächtnis ersetzen,

denn nur Fakten einzig haben keinen Wahrheitsanspruch:

Den emotionalen Beigeschmack löst kein Kamera-Blitz vom Gaumen

und es gibt etwas in einem Lächeln, das nur eine Netzhaut halten kann.

So, dass man die Welt mit andern Augen sieht

und mit freundlicheren Gesichtern in den Spiegeln.

Kerim Mallée

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