Fremde Haut

Abends bin ich in meinem Körper fremd.
Die Haut liegt nicht mehr so nahtlos an.
Durch die Müdigkeit
wird die zerbrechliche Hülle der Existenz deutlich.
Vielleicht ist das der Grund,
dass man von "Schlafes Bruder" spricht.
Manchmal schleicht sich dieses Gefühl
schon vor dem Abend an mich heran:
Wenn ich früher müde werde, als ich dachte.
Wenn ich mich von meiner Müdigkeit
nicht so schnell erhole wie erwartet.
Nach unruhigem Schlaf.
Hypochondrie hat so viele Gesichter.
Aber vor allem
kommt man ihr nur schwer mit Argumenten bei.
Zu sagen,
ob man sich gerade so fühlt,
wie man sich fühlen sollte,
ist schwierig,
wenn man nur die eigenen Sinne kennt.
Und manchmal ist die Schönheit
der Sterne unerträglich,
wenn die Glieder schwer sind und der Glanz
auf so eine ewige Weise,
von oben durch das offene Fenster strahlt
durch die Luft die heute Nacht auch ein Gewicht besitzt.
Wenn die Haut meines Körpers kratzt,
wie ein unbequemes Kleidungsstück,
wie in letzter Zeit so oft,
ist Lesen, als würde man in andere Köpfe schlüpfen,
Über denen immer ein Stück blauen Himmels ist,
der bei geschlossenen Buchdeckeln in jede Tasche passt.
Mit anderen Menschen, auch wenn sie nur erfunden sind,
zu lachen hilft,
die Dinge zu akzeptieren,
die viel zu schnell gekommen sind:
Das zusätzliche Gewicht.
Die ersten grauen Haare.
So wie Tonic Water durch den Zucker darin erträglich wird.
Es erinnert einen an das, was noch vor einem liegt.
Dass trotz der vielen Ecken
mit unangenehmen Überraschungen dahinter,
man an vielen weiteren Ecken noch nicht vorbeigegangen
ist und dass hinter diesen,
öfter als manchmal, auch beizeiten etwas Gutes liegt.
Und dass man andere Haut berührt,
weil jeder Mensch Berührung braucht
und darin liegt Gemeinsamkeit,
auch wenn niemand völlig weiß,
wie es ist, wenn man mit der eigenen Haut berührt.

Kerim Mallée

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