Feuchtgebiete, 2013 – ★★★½

Ich war sehr erstaunt, wie gut mir dieser Film gefallen hat und wie wenig er das war, was die Trailer angedeuteten haben. Klar, der Film ist bewusst provokant und als Mensch, der schon Hypochondrie und Keim-Paranoia beim Gedanken an die benutzten Geschirrtücher in der Küche empfindet, für mich auch weit jenseits meiner Komfortzone, zumindest was die ganzen Details von Helens Op angeht.

Carla Juris Performance als Helen ist eine Glanzleistung. Sie schafft die schmale Gratwanderung, eine sehr exzentrische Figur zu verkörpern, ohne jemals nervig zu sein. Viele andere wären daran gescheitert. Viele sind im deutschen Film immer wieder an ähnlichem gescheitert.
Das einzige, was man der 1985 geborenen Juri nicht abnimmt ist, dass ihre Figur 18 Jahre alt sein soll, aber man verkraftet es.
Die Handlung rund um Helens zerrüttetete Familie ist interessant, mit berührenden Konflikten, statt dem üblichen Scheidungs-dies-das. Der Film ist drastisch, aber niemals plump, schockierend aber nie billig. Sehr gut sind auch Kameraführung und Schnitte. Was ich damit meine ist, dass "Feuchtgebiete" sehr oft "beinahe etwas zeigt", aber der letzte Rest im Kopf des Zuschauers passiert.

Der Film ist momentan bei Prime verfügbar.

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