Ein Status-Update

"Was macht die Kunst?", wurde ich zuletzt von einem Freund gefragt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.
Falls sich jemand wundert, warum hier in den letzten Tagen die Film-Reviews etwas seltener kommen auch neue Texte etwas seltener zu sehen sind, es liegt daran, dass in Wien gerade das Wintersemester zu Ende geht und deshalb die üblichen Präsentationen, Seminararbeiten und schriftlichen Abgaben fällig sind. Doch das ist eher eine Frage der zeitlichen Planung, als ein Energie-Problem.
Die Arbeitsmenge ist dieses Jahr größer als in vielen Semestern davor, aber ich empfinde es nicht so und das hat mehrere Gründe: Zum einen, weil mir das Veröffentlichen meiner Texte hier, in dem Wissen, dass sie von der ein oder anderen Person gelesen werden, ein sehr motivierender Ausgleich ist.
Ein Ausgleich, der auch sehr viel Sinn stiftet. Und ich will mich nicht beklagen. Mein Leben besteht momentan fast nur aus Schreiben, Schreiben für die Uni und Schreiben für mich selbst. Für jemanden, der gerne schreibt, ist das eigentlich das minimalste Übel.
Zum anderen wächst man natürlich mit den Herausforderungen. Ich mag Deadlines nicht, ich glaube, die mag niemand, sonst würden sie Lifelines heißen. Aber gewissermaßen sind sie das, denn sie können auch motivierend sein und einen dazu bringen, Projekte, die lange halbfertig in einer Schublade oder im Hinterkopf herumgeisterten fertigzustellen und wieder Platz für neue Ideen und Dinge, denen man sich zuwenden will, zu machen.
Am Ende eines jeden Semesters bin ich immer erstaunt, wie viele Dinge sich seit dem Anfang des Semesters weiterentwickelt haben, obwohl ich von einem Tag auf den anderen eigentlich kaum eine Veränderung gespürt habe.
Aber wenn ich auf den Oktober zurückblicke, dann sehe ich jetzt viele Sachen, die damals noch nicht so waren, wie sie jetzt sind: Damals hatte ich eigentlich nur Gedichte, die ich in schwankenden Abständen veröffentlicht habe. Dann sind Mitte Oktober die regelmäßigen Film-Reviews dazu gekommen, die ursprünglich nur als Film-Countdown für Halloween geplant waren, aber an denen ich so viel Freude gewonnen habe, dass sie jetzt einer der Stützpfeiler meines Blogs geworden sind. Und ich bin sehr froh, dass sie so gut ankommen (ich habe unzählige Nachrichten mit positivem Feedback von euch bekommen und dafür sage ich danke), denn so kann ich eine Brücke zwischen dem, was ich in der Uni schreibe, wo Filme mein Forschungsgebiet sind und dem, was ich von meinem privat geschriebenen Zeug veröffentliche, was hauptsächlich Gedichte sind.
Früher habe ich mal gedacht, das dürfte nicht so sein: Die ersten meiner schriftlichen Arbeiten an der Uni, waren literaturwissenschaftlich, weil ich der Meinung war, dass jemand der selbst schreibt, auch über Geschriebenes forschen muss (und weil ich mir eine Zeit lang den hanebüchenen Bullshit habe einreden lassen, dass Filme eine der Literatur unterlegene Kunstform sind). Total ignoriert habe ich dabei aber natürlich, dass sich diese Arbeiten immer mit Romanen und Roman-Autoren beschäftigt haben, ich selbst aber eher ein Dichter bin.
Eine Erkenntnis, gegen die ich mich sehr lange gewehrt habe. Ich wollte immer Roman- und Prosa-Autor sein und habe mich auch immer so begriffen, aber was man sein will und was man tatsächlich ist, das ist ein sehr großer Unterschied.
Schwarz auf weiß sieht es so aus: Das Dokument auf meinem Computer mit dem ich irgendwann mal angefangen habe, ein Backup von all den Gedichten, die ich auf diversen Seiten, seit 2012 online veröffentlicht habe, anzufertigen, umfasst 330 Einträge. Da sind einige Sachen nicht dabei, die mir davor durch die Lappen gegangen sind und alles, was ich dieses Jahr geschrieben habe, denn das habe ich gleich in einem neuen etwas übersichtlicheren System festgehalten.
Was ich an Kurzgeschichten geschrieben habe, lässt sich an drei bis vier Händen abzählen. Die angefangen Roman-Projekte an zwei Händen. Zwar bin ich sehr zuversichtlich, dass ich mein aktuelles Roman-Projekt fertigstelle, denn ich habe bis jetzt durchgehalten und habe immerhin eine Fassung schon fertig, aber was ich sagen will ist: Unabhängig davon, wie ich mich bisher in meinem Schreiben wahrgenommen habe, ich bin und war immer jemand, der Gedichte schreibt. Die Zahlen sprechen für sich. Und ich denke, ich kann das akzeptieren.
Dieses Wissen ist eines der Dinge, die ich im Oktober noch nicht hatte, jetzt aber schon. Was ebenfalls dazu gekommen sind, neben dem Podcast den ich im November angefangen habe und den Film-Reviews: Ein ziemlich konkretes Thema für meine Masterarbeit (Spoiler: Es geht um Filme...) und eine ebenfalls konkrete Vorstellung wohin ich dieses Jahr mit meinem Schreiben und meinem Leben will und ich kann versprechen, es wird weiterhin geschrieben.

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