Ein hauchdünnes Garn – Lee Chang-Dongs “Burning”:

In den 148 Minuten Lauflänge, ist Murakamis 15 Seiten lange Kurzgeschichte "Scheunenabbrennen", auf der der Film basiert, und womit dieser von den Verleihfirmen auch lautstark beworben wird - wegen dem seit Jahren anhaltenden Murakami-Hype - fast vollständig umgesetzt. Doch der Film ist so viel mehr als eine Murakami-Verfilmung und es finden sich darin deutlich mehr Einflüsse von Hitchcock als vom Autor des Quellmaterials. Zum Glück. Denn würde der Film nicht sein eigenes Ding machen, wäre er nicht zu einer derartigen Vielschichtigkeit in der Lage. "Burning" ist oft undeutlich und vage. Aber niemals unfair dem Zuschauer gegenüber. Im Gegensatz zu Murakamis Werken, in denen viele Andeutungen oft im Sand verlaufen. Ebenfalls anders als so viele totgelobte "Kunstfilmer" und Literaten, die dem Publikum effekthascherische Metaphorik um die Ohren hauen, ohne selbst zu wissen, was sie eigentlich meinen und die unter dem Deckmantel eines Filmes oder Romans nur einen sehr langen Arbeitsauftrag für eine Übung im kreativen Schreiben liefern, bietet "Burning" ein zwar gewollt dünnes, doch ausreichend stabiles narratives Garn, dass der aufmerksame Zuschauer, der mehr als ein reines Guilty Pleasure sucht, was die Werke von Murakami Haruki bis auf einige Ausnahmen sind, zu einem stabilen Faden zusammenflechten kann, ohne den Urhebern des Films sämtliche Arbeit abnehmen zu müssen.

 

 

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