Auf Augenhöhe

Wer bist du?
Alle Vorstellung von Selbstverbesserung,
die peinlichen Erinnerungen
an die man vor dem Einschlafen denkt,
und der Charakter-Vorschuss eines zukünftigen Ichs,
von dem man jetzt schon zehrt,
so, dass man sich auch in Zukunft nicht genug ist,
beiseite geschoben.
Wer bist du jetzt?
Jemand der den Heldenfiguren,
die er bewundert nacheifert,
weil er ihre Schwächen akzeptieren könnte,
wenn es die eigenen wären?
Oder jemand der die Makel aller Menschen
außer bei sich selbst, nicht sieht?
Wie lange hältst du die Stille aus,
ohne Ablenkungen von deinen eigenen Gedanken zu suchen?
Flieh nicht vor deiner Einsamkeit,
sie lässt dich Dinge klar erkennen.
Wovor du dich fürchtest und wonach du dich sehnst.
Das zu erkennen mag beängstigend sein,
aber Ängste die benannt und als Ängste erkannt wurden,
sind Kompass, Wegweiser und Karte.
Es ist nicht leicht.
Das war es nie.
Und man hört auch nicht
von heute auf morgen damit auf,
Komplize der eigenen Zweifel zu sein.
Aber, wenn du dich deiner Scham stellst,
lernst du neue Dinge über dich.
Nicht alle schön,
nicht alle leicht zu akzeptieren.
Doch näher an der Wahrheit.
Näher an deinen Wünschen
und den dir noch unbekannten Geheimnissen,
die du gerne mit anderen teilen würdest.
Näher an dem Gefühl bei jedem Atemzug zu spüren,
wo du beginnst
Und bei jeder Berührung zu wissen,
wo die Welt aufhört.
Näher an einem maßgeschneiderten Mantel aus Gnade,
der dir und all den einzigartigen
Facetten deines Charakters gerecht wird.

Kerim Mallée

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