04-08-2020 Textauszug aus meinem Roman “Der Junge der an regnerischen Tagen von Meerjungfrauen träumte” (Arbeitstitel).

Es ist schon erstaunlich, wie laut es in Bibliotheken ist, obwohl dort Stille das Gebot ist. Percy jedenfalls fiel es schwer, sich zu konzentrieren. Es war ihm schon vor einem Jahr auferlegt worden, sich an die Alltagsgeräusche der Welt da draußen zu gewöhnen. So nahm er den Lärm, der in dieser niemals stillen Stadt, durch die Luft schwingt, die wir atmen, mittlerweile gar nicht mehr wahr. Doch fehlt dieses Brummen des Alltags, dann werden die einzelnen Geräusche, die darin sonst untergehen, umso lauter, weil sie erkennbar sind und der Verstand des Menschen die Erkenntnis begehrt. Selbst im toten Raum des Alls brummt die Hintergrundstrahlung, seit es Zeit gibt. Jedes Mal, wenn sie an einer Stelle leiser wird, wittern die Geräusche, die sonst keine Beachtung fanden, ihre Chance und rufen, wie der Musterschüler, der sich mit schnipsenden Fingern meldet: „Hier bin ich.“, und bitten die Aufmerksamkeit zum Tanz.

Kerim Mallée

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